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Berufswahl mit MS: Welcher Job ist für mich geeignet?

Frau im LiegestuhlWer mit der Diagnose MS konfrontiert wird, stellt sich sicher automatisch die Frage, ob er mit MS überhaupt arbeiten bzw. weiterarbeiten kann. Da die Multiple Sklerose vorwiegend im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auftritt, betrifft diese Frage auch viele junge Menschen, die gerade nicht nur privat, sondern auch beruflich die Weichen für eine aktive Zukunft nach ihren Vorstellungen stellen.

Kommt dann die Diagnose MS „dazwischen“, müssen keineswegs alle Pläne, Wünsche und Träume aufgegeben werden! Denn die MS verläuft anfänglich meist eher schubförmig und die Symptome bilden sich oft vollständig zurück.
In Kombination mit einem frühzeitigen Beginn einer immunmodulierenden Langzeittherapie und dem dadurch verbundenen positiven Einfluss auf den Langzeitverlauf der Erkrankung besteht die Möglichkeit, ähnlich wie nicht Betroffene über mehrere Jahrzehnte am Berufsleben teilzunehmen und so keineswegs auf diesen Aspekt einer guten Lebensqualität verzichten zu müssen.

Wer sich in der Berufsausbildung oder aber bereits im Berufsleben befindet, sollte aber die Erkrankung in den weiteren Berufsweg miteinbeziehen. Denn dies kann dazu beitragen, trotz der Erkrankung im Beruf erfolgreich zu sein.

Welcher Beruf ist für mich geeignet?

In erster Linie hängt die Entscheidung für einen bestimmten Beruf bzw. dessen Ausübung, wie bei allen Menschen, von Ihren persönlichen Interessen und dem Schulabschluss ab. Dabei sollte aber der individuelle körperliche Zustand immer mit berücksichtigt werden. Wählen Sie beispielsweise einen Beruf, bei dem Sie überwiegend einer sitzenden Tätigkeit nachgehen. So können Sie körperliche Überanstrengung vermeiden.

Für MS-Betroffene ist es zudem generell wichtig, einen regelmäßigen Alltagsablauf zu haben. Eine geringe Stressbelastung und flexible Ruhe- oder Erholungspausen sollten idealerweise möglich sein. Berufe, die

  • körperlich belastende Arbeit,
  • viel Gehen und Stehen,
  • Schicht oder Akkordarbeit,
  • hohe Ansprüche an die Feinmotorik oder den Gleichgewichtssinn

beinhalten, sind dagegen prinzipiell eher als ungeeignet bei MS einzuschätzen. Aber sicherlich ist letztlich die individuelle Situation jedes Einzelnen ausschlaggebend dafür, welcher Job für ihn passend ist oder nicht.

Viele durch MS hervorgerufene Einschränkungen können gut kompensiert werden

Diverse EDV-Hilfen, wie PCs mit Großtastaturen und mittlerweile gute Spracherkennungs- und Diktiersysteme oder Sprachausgabesysteme, ermöglichen es, Bewegungsstörungen in den Händen zu kompensieren.

Ist das Sehvermögen durch stattgehabte Sehnerventzündungen vermindert, können Großbildschirme, die eine Schriftvergrößerung ermöglichen, spezielle Leuchtlesegeräte oder Lupen eingesetzt werden.

Auf die Ausübung eines Berufes, bei dem das Führen eines Kraftfahrzeugs Teil der Berufsausübung ist, muss in Abhängigkeit von Art und Schwere der Sehstörung jedoch unter Umständen verzichtet werden.

Bei Blasen- und Darmstörungen ist ein Arbeitsplatz in der Nähe der Toilette von Vorteil.

MS-Erkrankten, die Schwierigkeiten beim Gehen haben oder auf eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl angewiesen sind, sollten ein möglichst barrierefreies Arbeitsumfeld und ggf. nahe gelegene Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Ihr Arbeitsplatz sollte auch von zu Hause aus gut zu erreichen sein.

Fatigue und Konzentrationsstörungen lassen sich durch die Anpassung im Arbeitsablauf reduzieren.

Anlaufstellen zur Beratung

Agenturen für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit bietet hier ausführliche Hilfestellungen hinsichtlich Berufswahl, Bewerbung und Vorstellungsgespräch sowie Förderungsmöglichkeiten und andere Leistungen. Das „Reha-Team“ ist ein spezieller Service der Bundesagentur für Arbeit für behinderte Menschen. Die Aufgabe des Teams ist es, in allen Fragen rund um berufliche Ausbildung und auch Weiterbildung individuell zu beraten sowie entsprechende Optionen aufzuzeigen und zu vermitteln.
Im Berufs-Informations-Zentrum (BIZ) der Arbeitsagentur können Sie sich mit Hilfe von multimedialen Angeboten ein genaues Bild über Ihren Wunschberuf machen und besser einschätzen, ob dieser für Sie geeignet wäre oder eher ungeahnte Hindernisse für Sie birgt.

Integrationsämter

Das Integrationsamt ist Ihr begleitender Helfer im Arbeitsleben. Arbeitnehmer bekommen Rat und Informationen zu Schwerbehinderung im Beruf, insbesondere zum Kündigungsschutz. Zudem helfen sie finanziell bei der Erhaltung der Leistungsfähigkeit, z. B. durch Einrichtung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes. Für Sie als MS-Betroffener ist es wichtig zu wissen, dass Arbeitgeber bei den Integrationsämtern finanzielle Leistungen für die Schaffung und Einrichtung behindertengerechter Arbeitsplätze oder Förderung von schwerbehinderten Berufsauszubildenden erhalten können.

Integrationsfachdienste

Das sind regionale Dienststellen, die bei Bedarf von den Integrationsämtern beauftragt werden, um behinderte beschäftigte und Arbeit suchende Menschen zu beraten, zu unterstützen und zu begleiten bzw. um einen geeigneten Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz zu finden oder zu erhalten.

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG)

Nehmen Sie Kontakt mit der Beratungsstelle Ihres zuständigen Landesverbandes der DMSG auf, denn auch bei der DMSG können Sie sich rund um das Thema „Beruf und MS“ beraten lassen!

Weitere Tipps rund um das Thema „Berufswahl bei MS“:

Werfen Sie nicht alle Karrierepläne über Bord, wenn Sie die Diagnose MS erhalten haben, und versuchen Sie, „Kurzschlusshandlungen“ zu vermeiden! Überlegen Sie in Ruhe, welche Möglichkeiten Ihnen offen stehen und wägen Sie die verschiedenen Alternativen ab! Stehen Sie noch vor dem Berufseinstieg, suchen Sie frühzeitig eine Berufsberatung auf. Bei der Agentur für Arbeit sollten Sie auf Ihre Erkrankung hinweisen und anregen, dass gegebenenfalls ein Vermittler des Reha-Teams hinzugezogen wird. Diese Vermittler sind auf schwerbehinderte Menschen spezialisiert und können oft aus ihrer Praxis gute Anregungen geben. Auch sind sie mit den Berufsbildern im Hinblick auf verschiedene Einschränkungen vertraut. Haben Sie keine Angst vor etwas Neuem! Es kann sein, dass Sie aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Dies muss kein Grund sein, den Kopf hängen zu lassen. Denn eine mögliche Umschulung bietet Ihnen vielleicht sogar die Chance, etwas zu machen, was Sie schon immer mal wollten. Haben Sie Spaß an Ihrem Beruf!

Alle Angaben ohne Gewähr und vorbehaltlich gesetzlicher Änderungen!

Quellen:
www.dmsg.de
www.handicap-network.de
www.msif.org

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